Monatsbetrachtung Dezember 2019
Monatsbetrachtung Dezember 2019
19/12/2019
Bienen
Monatsbetrachtungen
Imkern

# Monatsbetrachtung Dezember 2019

In 2019 war der Oktober wie in den beiden Vorjahren sehr mild. Die Folgen: Viele Völker haben viel und lange – bis in den November hinein – gebrütet, was auch bei den Gemülldiagnosen zu bemerken war. Als Beispiel wird hier ein Volk des Bienenstandes „Bienenmuseum Duisburg“ vorgestellt. Die 22 Altvölker des Standes wurden in 2019 nach dem Konzept „Teilen und behandeln“ geführt. Nach der Wiedervereinigung der Teilvölker Ende Oktober – jedes „Brutvolk“ war bis dahin seit der Teilung Anfang August auf seinem Flugling gestanden – wurde das Gemüll aller Völker nahezu wöchentlich untersucht und auch fotografiert (Abb. 1). Von jedem Volk liegen sechs Bilder vor. Sie geben Hinweise auf Sitz und Stärke der Völker.

Abb. 1

Das hauptsächlich auf der Fluglochseite gelegene Gemüll des Volkes wird im November geprägt von drei relativ langen Streifen unter den zentralen Wabengassen. Das meiste Gemüll ist im Zeitraum 16.11.-23.11. gefallen. Am wenigsten Gemüll lag bei der am 11.12. durchgeführten Diagnose in der Windel. Bei der Wiederholung der Untersuchung in 2020 soll das Gemüll auch gewogen werden.

Diese Dauer-Untersuchung wurde und wird in 2019 auch an anderen im Ruhrgebiet gelegenen Bienenständen gemacht. Überall zeigte sich das gleiche Bild. Die Völker produzieren seit Anfang Dezember weniger Gemüll als im Oktober und November. Gleichzeitig ist der Anteil der hellen Milbenstadien im Gemüll stetig gesunken. Er liegt seit Anfang Dezember bei nahe Null. So wurden in Duisburg am 11.Dezember nur noch bei zwei Völkern eine bzw. drei helle Milben im Gemüll entdeckt. Daraus kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass die Völker brutfrei oder fast brutfrei sind.

Diese Einschätzung kann mit dem Witterungsverlauf im Spätherbst erklärt werden. Zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember traten drei kühle Perioden auf, in denen die Temperatur nachts auf nahe null sank und manchmal auch auf unter null (Abb. 2). Die erste Periode –Ende Oktober – war kurz und tagsüber war es noch relativ warm, die zweite Periode –in der zweiten Novemberdekade– war länger und auch tagsüber kühl. Wahrscheinlich hat sie die (meisten) Völker veranlasst das Brüten einzustellen, sodass drei Wochen später keine Brut mehr oder nur noch sehr wenig Brut geschlüpft ist.

Abb. 2

Die Wetterdaten der Wetterstation Essen vom 24. Oktober bis zum 11. Dezember 2019. Die Daten sind dem „Wetterrückblick Bochum“ entnommen, der auf der Website https://www.wetteronline.de/wettertrend/bochum zu finden ist.

Laut der „Wetteronline“-Wetterprognose soll es an „Rhein und Ruhr“ in der kommenden Woche kühl und feucht bleiben und anschließend etwas weniger kühl und trocken weitergehen. Demnach kann ab sofort eine „Restentmilbung“ durchgeführt werden. Man kann sich aber auch bis Weihnachten Zeit lassen.

# Worauf zu achten ist

Es ist empfehlenswert, vor und nach der Behandlung eine Gemülldiagnose durchzuführen. Vor der Behandlung gibt sie Auskunft darüber, wie stark ein Bienenvolk von der Varroamilbe befallen ist, wo es sitzt und wie viele Wabengassen es besetzt. Dazu sollte die Windel im Winter etwa 7 Tage einliegen. Vor dem Einschieben der Windel sollte kontrolliert werden, dass nicht allzu viel Bienentotenfall auf dem Gitterboden den Durchfall von Gemüll und Milben behindert. Unter Umständen ist der Gitterboden zu reinigen. Dazu wird das Volk vom Gitterboden gelöst, abgehoben und auf der umgedrehten Blechhaube geparkt und nach der Reinigung des Gitterbodens wieder zurückgesetzt. Das Ganze wird gemacht ohne starke Erschütterungen auszulösen.

Der durch die Oxalsäurebehandlung ausgelöste Milbenfall hält bis zu 4 Wochen an. Sein Maximum tritt zwischen dem 2. und 4. Tag nach der Behandlung auf. Etwa 80% der bekämpften Milben fallen innerhalb einer Woche. Dieser Zeitraum genügt, um den Behandlungserfolg der „Restentmilbung“ zu beurteilen. Wer will kann auch länger Milben zählen. Beim Milbenzählen nach der Behandlung sollte man auch darauf achten, ob helle Milbenstadien auftreten! Alle Beobachtungen werden in einem Protokoll festgehalten.

Nach der letzten Zählung werden die Windeln gezogen und die Völker über offenem Gitterboden geführt. Die Windeln werden erst wieder im Sommer gebraucht, wenn die nächste Behandlungsrunde ansteht.

Die Behandlung sollte erfolgen, wenn die Völker möglichst eng sitzen. Das kommt in der Empfehlung „lieber bei minus 5° C als bei plus 5° C“ zum Ausdruck. Je kälter es ist, desto enger sitzen die Bienen in der Traube, desto besser wird die aufgespritzte Oxalsäurelösung durch Körperkontakt von Biene zu Biene weitergereicht, desto besser ist die Wirkung auf die ansitzenden Milben.

Wenn es nicht frostig kalt ist, dann führt man die Behandlung am besten am frühen Morgen oder am Abend durch. 50 ml der nach Gebrauchsanleitung hergestellten Oxalsäure-Lösung werden mit einer Spritze aufgezogen und mit feinem Strahl in die von Bienen dicht besetzten Wabengassen gespritzt. Je nach Stärke wird ein Volk mit 30-50 ml behandelt. Starke Völker, die bei frostigen Temperaturen in 6 oder 7 Wabengassen sitzen, erhalten 50 ml. Völker, die nur in 3-5 Wabengassen sitzen, erhalten 30 ml Lösung. Beim Einbringen dieser Mengen fährt man die dicht besetzten Wabengassen mit der Spritze zweimal ab. Das kann man vorher im Freien oder auch zu Hause mit Wasser „trocken“ üben.

Wenn man unmittelbar vor der Behandlung eine saubere Windel eingeschoben hat kann man sofort nach der Behandlung auf der Windel überprüfen, ob und wo man Lösung „daneben gespritzt“ hat. Beim nächsten Volk versuchen, es besser zu machen!

Die „Träufelbehandlung“ wird nicht wiederholt! Auch dann nicht, wenn sie einen sehr hohen Milben-Abfall von vielen hundert und mehr Milben auslöst. Die wiederholte Behandlung würde zu einem deutlich erhöhten Bienenabgang führen. Deshalb heißt es: „Zweimal ist einmal zu viel!“

Die Behandlung mit Oxalsäure wird von den Bienen sehr viel besser vertragen, wenn sie durch Sublimieren eingebracht wird. Doch ist diese Methode in Deutschland (noch) nicht zugelassen.

Wenn der natürliche Milbenfall im Dezember unter 0,5 Milben pro Tag liegt, kann auf die „Restentmilbung“ verzichtet werden. Diese Einschätzung wurde bisher immer wieder bestätigt, wenn der durch die „Restentmilbung“ ausgelöste Milbenfall mit dem Varroabefall der Völker im folgenden Spätsommer/Herbst verglichen wird. Die Völker ohne „Restentmilbung“ sind im folgenden Spätsommer im Durchschnitt nicht stärker von der Varroamilbe befallen, wenn bei ihnen der natürliche Milbenfall im Dezember deutlich unter 0,5 Milben/Tag gelegen hat.

Quelle immenlieb.de (opens new window)

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